Weiße Rohre an einer Wand – Industrieinstallation, Rohrsystem, Nahaufnahme Foto von Yena Kwon auf Unsplash

Das richtige Gefälle von Abwasserrohren

30. Januar 2026

Wenn das Wasser in Ihrer Badewanne abläuft, der Spülkasten geleert wird oder das Waschbecken seinen Inhalt freigibt, vertrauen wir alle auf einen reibungslosen Prozess: Das Schmutzwasser verschwindet und die Rohre bleiben frei. Hinter dieser alltäglichen Selbstverständlichkeit steckt eine präzise technische Planung, bei der das Gefälle von Abwasserrohren die absolute Schlüsselrolle spielt.

Ein falsch bemessenes Gefälle im Abwasserrohr ist eine häufige Ursache für wiederkehrende Verstopfungen, unangenehme Gerüche und aufwendige Sanierungsarbeiten. Einige unserer Einsätze bei Verstopfungen sind tatsächlich auf Fehler in der ursprünglichen Verlegung zurückzuführen.

Es gibt hier ein paar grundlegende Punkte zu beachten, zum Beispiel: 

  • "Zu viel" Gefälle kann genauso problematisch sein kann wie “zu wenig” 
  • Welche Normen dabei zu beachten sind

Hier bekommen Sie einen Überblick.

Definition: Was ist das Gefälle von Abwasserrohren?

Das Gefälle (auch Neigung genannt) beschreibt den Höhenunterschied eines Rohres auf einer bestimmten horizontalen Länge. Es wird typischerweise in Prozent oder als Verhältnis (z. B. 50% oder 1:50) angegeben.

Die Maßeinheiten des Gefälles einfach erklärt

Die Angabe in Prozent gibt an, um wie viele Zentimeter das Rohr auf einer Strecke von 100 Zentimetern (1 Meter) abfällt.

Zum Beispiel: 1 % Gefälle bedeutet, dass das Rohr auf 100 cm Länge um 1 cm an Höhe verliert.

Die Angabe im Verhältnis gibt an, nach welcher horizontalen Strecke der Höhenunterschied 1 Einheit beträgt.

Zum Beispiel: 1:50 Gefälle bedeutet, dass das Rohr nach 50 cm horizontaler Strecke um 1 cm gesunken ist.

Gefälle in %Gefälle als VerhältnisHöhenunterschied auf 1 Meter
1 %1:1001 cm
2 %1:502 cm
3 %1:333 cm

Einfluss von Gefälle auf die Selbstreinigung von Leitungen

Der Hauptzweck des korrekten Gefälles von Abwasserrohren ist die sogenannte Selbstreinigung der Leitung. Das Prinzip ist ein empfindliches Gleichgewicht zwischen zwei Kräften.

1. Zu geringes Gefälle 

Wenn das Gefälle im Abwasserrohr zu flach ist (z. B. weniger als 1 %), fließt das Wasser zu langsam ab. Die Fließgeschwindigkeit ist also zu niedrig, um die Scherkräfte zu erzeugen, die notwendig sind, um die Feststoffe mitzureißen. Feste Bestandteile im Abwasser (Fäkalien, Haare, Fette) setzen sich auf der Sohle der Rohrleitung ab. Das Wasser läuft zwar ab, aber die Feststoffe bleiben liegen.

Dadurch entstehen Ablagerungen, die sich mit der Zeit verhärten (Inkrustierung) und den Rohrquerschnitt verengen. Dies führt unweigerlich zu regelmäßigen Teil- und Totalverstopfungen.

2. Zu starkes Gefälle 

Man könnte intuitiv denken: Je steiler, desto besser. Das ist aber ein häufiger Irrglaube in der Entwässerungstechnik. Bei einem zu steilen Gefälle der Abwasserleitung (z. B. über 4–5 %) rast das Wasser zu schnell durch das Rohr und eilt den Feststoffen voraus. Es entsteht ein hoher Fließwasserpegel an der Unterseite, während die Feststoffe (z. B. Toilettenpapier, Fäkalien) auf der Sohle zurückbleiben. Das Wasser kann die Feststoffe nicht mehr vollständig umspülen und fortspülen.

Dadurch entsteht eine hydraulische Trennung zwischen Wasser und Feststoffen. Die Feststoffe setzen sich ab und führen zur Verstopfung.

Die goldene Mitte: Das optimale Gefälle nach Normen

Das ideale Gefälle von Abwasserrohren muss also eine Fließgeschwindigkeit erzeugen, die hoch genug ist, um Feststoffe mitzureißen, aber niedrig genug, um eine hydraulische Trennung zu verhindern.

Die Anforderungen der DIN EN 12056 und DIN 1986-100

Die deutschen und europäischen Normen für die Schwerkraftentwässerung (DIN EN 12056 und DIN 1986-100) legen die Mindestanforderungen fest:

AnwendungsfallEmpfohlenes/Mindestgefälle
Grundleitungen (Unter der Bodenplatte/im Erdreich)2 % (Standard)
Anschlussleitungen (Innerhalb des Gebäudes)2 % (Standard)
Mindestgefälle (in Ausnahmefällen)1 %
Maximales Gefälle4 % (sollte vermieden werden)

Ein 2 % Gefälle (entspricht 1:50) gilt in der Fachwelt als der Goldstandard für Abwasserleitungen. Es gewährleistet in den meisten Fällen eine optimale Selbstreinigung.

Sonderfall DN 100 und DN 70 Rohre

Das notwendige Gefälle hängt auch vom Durchmesser (DN) des Rohres ab, da das Verhältnis von Wasser zu Feststoffmenge eine Rolle spielt:

DN 100 (Standard für Fallleitungen und Grundleitungen)

Hier ist 2 % optimal. Bei sehr geringem Abwasseranfall (z. B. nur eine einzelne Toilette) kann man das Gefälle leicht erhöhen, aber sollte 3 % nicht überschreiten.

DN 70 (Typisch für Waschtische, Duschen)

Da hier tendenziell weniger Feststoffe, aber mehr Haare anfallen, sind 2 % ebenfalls ratsam.

Der kritische Punkt: Übergänge und Richtungswechsel

Selbst wenn das Hauptrohr perfekt verlegt ist, können Probleme an Übergängen entstehen.

Besonders an Bögen und Abzweigungen entstehen Turbulenzen und Verlangsamungen, die kritische Stellen für Ablagerungen sind. Es sollten immer flache Bögen anstelle von scharfen 90-Grad-Bögen verwendet werden, um den Strömungswiderstand zu minimieren und eine gleichmäßige Geschwindigkeit zu erhalten.

Mögliche Folgen eines fehlerhaften Gefälles

Die Vernachlässigung des korrekten Gefälles von Abwasserrohren führt fast immer zu den gleichen, teuren und ärgerlichen Problemen:

Wiederkehrende Verstopfungen

Das häufigste Anzeichen für Probleme mit dem Rohrgefälle sind ständig scheinbar grundlos wieder auftretende Verstopfungen. Sie reinigen die Leitung, und schon nach kurzer Zeit ist sie wieder dicht, weil die eigentlich zugrundeliegende Ursache, die zu langsame Fließgeschwindigkeit, nicht behoben ist.

Geruchsentwicklung

Wenn Feststoffe in der Leitung liegen bleiben und beginnen zu faulen, können unangenehme, oft schwefelhaltige Gerüche entstehen, die bei fehlerhaften Siphons oder unzureichender Belüftung in Wohnbereiche dringen können.

Korrosion und Rohrschäden

Langanhaltende stehende Nässe und aggressive, faulende Ablagerungen können bei älteren Rohrmaterialien (z. B. Gussrohren) zu Korrosion und Materialschäden führen.

Hohe Wartungskosten

Anlagen mit falschem Gefälle erfordern einen deutlich höheren Wartungs- und Reinigungsaufwand, was langfristig die Betriebskosten in die Höhe treibt.

So erkennen Sie Gefälle-Probleme in Bestandsbauten

In Bestandsbauten, in denen das System nicht wie gewünscht funktioniert, können Sie einige Anzeichen für ein falsches Gefälle bemerken:

  • Das Wasser gluckert oder läuft langsam ab: Das ist ein Zeichen dafür, dass der Abfluss stockt und sich die Leitung bereits zusetzt.
  • Ständige Notwendigkeit der Rohrreinigung: Müssen Sie oder wir als Profis mehrmals jährlich zur gleichen Stelle ausrücken, ist oft ein baulicher Mangel (wie das falsche Gefälle) die Ursache.

Eine professionelle TV-Kamerainspektion ist die sicherste Methode, das Rohrgefälle zu beurteilen. Hier kann der Fachmann nicht nur die Ablagerungen sehen, sondern auch die exakte Verlegerichtung und den Verlauf (inkl. Senkungen/Gefälle-Fehler) der Leitung dokumentieren und messen.

Fazit: Investieren Sie in Präzision

Das Gefälle von Abwasserrohren ist kein Detail, sondern die Grundlage für ein funktionierendes Abwassersystem. Es sorgt für die notwendige Fließgeschwindigkeit zur Selbstreinigung und schützt damit langfristig vor Ablagerungen, Gerüchen und teuren Verstopfungen. 

Sie haben den Verdacht, dass das Gefälle Ihrer Abwasserrohre in Ihrem Haus nicht optimal ist, oder kämpfen Sie regelmäßig mit Verstopfungen an derselben Stelle? Dann ist es Zeit, die Ursache an der Wurzel zu packen.

Wir von Felix die Rohrreinigung sind Ihr spezialisierter Partner:

  • Professionelle TV-Inspektion: Wir überprüfen den Zustand und das tatsächliche Gefälle Ihrer Abwasserleitungen und Grundleitungen.
  • Ursachenanalyse: Wir identifizieren, ob bauliche Mängel wie ein falsches Gefälle oder eine Senkung (Gegen-Gefälle) die Ursache für Ihre wiederkehrenden Probleme sind.

Für eine präzise Überprüfung und nachhaltige Lösungen, rufen Sie uns gerne einfach an.

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