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Trinken wir unser Abwasser? Der Weg durch das Klärwerk
27. Juli 2026Inhaltsverzeichnis
Wenn Sie die Toilettenspülung betätigen oder das Wasser nach dem Händewaschen im Abfluss verschwindet, wird das verbrauchte Wasser für Sie unsichtbar. Es fließt durch ein komplexes Netz aus Rohrleitungen tief im Boden und entsorgt sich quasi von alleine – eine Errungenschaft der Zivilisation.
Wer sich darüber aber einmal mehr Gedanken macht, stellt sich irgendwann die unangenehme Frage: Trinken wir unser Abwasser? Die Vorstellung, dass das Wasser aus dem Hahn schon einmal durch eine Toilette geflossen ist, löst bei einigen Unbehagen aus. Die kurze Antwort ist: Nein, Sie trinken nicht einfach direkt Ihr Abwasser wieder.
Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf die moderne Wasserwirtschaft, um den Kreislauf besser zu verstehen. Das Wasser legt nach der Nutzung einen weiten Weg zurück, der in modernen Behandlungsanlagen endet. Dort wird die Flüssigkeit so weit gereinigt, dass sie ohne Gefahr in die Umwelt zurückgegeben werden kann. Die genauen Abläufe dahinter sind für den Schutz unserer Gesundheit und der Natur von zentraler Bedeutung.
Was ist Abwasser und welche Arten gibt es?
Um den Weg des Wassers nachzuvollziehen, ist eine genaue Definition hilfreich. Was ist Abwasser eigentlich genau? Im Grunde handelt es sich um Wasser, das durch den menschlichen Gebrauch in seinen Eigenschaften verändert wurde oder dessen Qualität gelitten hat. Auch Regenwasser, das von befestigten Flächen wie Dächern, Parkplätzen oder Straßen abfließt und in die Kanalisation gelangt, fällt unter diesen Begriff. Die Fachwelt unterscheidet verschiedene Kategorien, die alle eigene Herausforderungen für die Reinigung mit sich bringen.
- Das sogenannte Grauwasser stammt aus Duschen, Waschmaschinen oder Küchenspülen. Es ist frei von Fäkalien, enthält aber Seifenreste, Haare, Waschmittel, Fette und Hautschuppen.
- Davon unterscheidet sich das Schwarzwasser, welches aus der Toilette kommt und mit Fäkalien, Urin sowie Toilettenpapier belastet ist.
- Eine weitere Kategorie ist das gewerbliche oder industrielle Abwasser. Dieses enthält oft chemische Rückstände, Schwermetalle oder spezielle Produktionsabfälle, die vor der Einleitung in die öffentliche Kanalisation direkt im Betrieb vorbehandelt werden müssen.
All diese Abwässer mischen sich auf dem Weg zur Reinigungsanlage und bilden eine trübe Flüssigkeit voll von sichtbaren und unsichtbaren Stoffen.
Was passiert mit Abwasser nach dem Herunterspülen?
Der Weg des Schmutzwassers beginnt in den Leitungen Ihres Hauses. Über die internen Abwasserrohre gelangt es in die Grundleitungen, die unter der Bodenplatte oder im Fundament liegen. Von dort aus fließt es in das öffentliche Kanalnetz, das unter unseren Straßen verläuft. In diesem riesigen unterirdischen System fließt das Wasser durch das natürliche Gefälle weiter. Wenn Hügel oder sehr weite Strecken überwunden werden müssen, wird der Höhenunterschied mithilfe von Hebewerken überwunden.
Aber was passiert mit Abwasser, wenn es die Siedlungen verlässt? Das Ziel ist immer das nächstgelegene Klärwerk. Das unterirdische Rohrnetz muss vollkommen fehlerfrei funktionieren, damit keine Schadstoffe in den Boden sickern und das Grundwasser verunreinigen. Undichte Rohre im privaten oder öffentlichen Bereich stellen eine Gefahr dar, da ungeklärtes Schmutzwasser erhebliche Schäden in der Natur anrichten kann. Sobald das Wasser die Reinigungsanlage erreicht, beginnt ein exakt abgestimmter, mehrstufiger Reinigungsprozess.
Wie funktioniert ein Klärwerk? Reinigungsstufen im Detail
Moderne Anlagen nutzen eine Kombination aus unterschiedlichen Techniken, um Schmutzstoffe aus dem Wasser zu entfernen. Die Reinigungsstufen passieren eine nach der anderen, wobei jede Phase eine bestimmte Art von Verunreinigung herausfiltert. Der gesamte Ablauf orientiert sich an den Prinzipien, die auch in der freien Natur stattfinden, allerdings auf viel engerem Raum und in deutlich kürzerer Zeit. In der Regel besteht eine moderne Anlage aus drei bis vier Hauptstufen.
1 Mechanische Reinigung für grobe Schmutzstoffe
Am Anfang der Anlage steht die mechanische Reinigungsstufe. Hier werden alle festen Gegenstände entfernt, die nicht in das Wasser gehören, aber oft fälschlicherweise in der Toilette landen. Das Wasser passiert zuerst die Rechenanlage. Grobe Gitterstäbe oder rotierende Siebe halten Feuchttücher, Hygieneartikel, Plastikreste, Haare und Textilien zurück. Diese Stoffe werden vollautomatisch aus dem Wasser gehoben, gepresst und später in Verbrennungsanlagen entsorgt. Das Entfernen dieser Grobstoffe schützt auch die Pumpen der Anlage vor Schäden.
Nach dem Rechen fließt das Wasser in den Sandfang. In diesem länglichen Becken wird die Fließgeschwindigkeit gezielt verlangsamt. Durch die langsamere Bewegung sinken schwere mineralische Stoffe wie Sand, kleine Steine oder Glassplitter auf den Boden ab. Ein mechanischer Räumer schiebt diesen Sand zusammen, damit er abgepumpt und gereinigt werden kann. Häufig ist der Sandfang mit einem Fettfang kombiniert. Da Fett leichter ist als Wasser, schwimmt es an der Oberfläche und wird dort einfach mit einem Schild abgezogen. Im anschließenden Vorklärbecken beruhigt sich das Wasser noch weiter. Feinere organische Partikel, die zu leicht für den Sandfang waren, setzen sich hier als sogenannter Primärschlamm am Boden ab. Am Ende dieser mechanischen Phase sind bereits etwa ein Drittel der Schmutzstoffe aus dem Wasser entfernt.
2 Biologische Reinigung durch nützliche Mikroorganismen
Nachdem die groben Teile entfernt sind, folgt die biologische Stufe. Diese findet im Belebungsbecken statt. Hier geht es um die im Wasser gelösten Stoffe, die mit mechanischen Sieben nicht fassbar sind, wie etwa Urin, Eiweiße, Zucker oder Kohlenhydrate. In diesem Becken leben Milliarden von Bakterien und Kleinstlebewesen, die als Belebtschlamm bezeichnet werden. Diese Mikroorganismen nutzen die organischen Schmutzstoffe im Abwasser als Nahrung und bauen sie biologisch ab.
Damit die Bakterien aktiv bleiben, benötigen sie große Mengen Sauerstoff. Deshalb blasen die Anlagen kontinuierlich Luft in das Belebungsbecken. Die Mikroorganismen wandeln die Schadstoffe in harmlose Substanzen wie Stickstoffgas oder Kohlendioxid und in neue Biomasse um.
Im nachfolgenden Nachklärbecken wird das Wasser-Schlamm-Gemisch wieder getrennt. Da in diesem Becken keine Luft mehr zugeführt wird, kommt das Wasser zur Ruhe und der Belebtschlamm sinkt auf den Boden. Ein Teil dieses Schlamms wird zurück in das Belebungsbecken geleitet, damit immer genügend aktive Bakterien vorhanden sind. Der restliche Schlamm wandert in die Faulbehälter zur Gewinnung von Energie.
3 Chemische Verfahren und die moderne vierte Reinigungsstufe
Neben den biologischen Stoffen enthält das Wasser auch Nährstoffe wie Phosphate, die hauptsächlich aus Waschmitteln oder Düngemitteln stammen. Zu viele Phosphate in Flüssen führen zu übermäßigem Algenwachstum und gefährden das biologische Gleichgewicht. Um dies zu verhindern, setzen Klärwerke chemische Verfahren ein. Durch die gezielte Zugabe von Metallsalzen wird das Phosphat im Wasser chemisch gebunden. Es entstehen Flocken, die sich im Nachklärbecken absetzen und mit dem Schlamm entfernt werden können.
Viele moderne Anlagen besitzen heute zudem eine vierte Reinigungsstufe. Diese filtert kleinste Spurenstoffe heraus, gegen die Bakterien machtlos sind. Dazu gehören Rückstände von Medikamenten, Mikroplastik, Hormone, Kosmetika oder Pestizide. Mit Methoden wie der Ozonung oder dem Einsatz von Aktivkohlefiltern lassen sich selbst diese winzigen Schadstoffe fast vollständig eliminieren. Das Wasser, das die Anlage nach diesen Schritten verlässt, ist optisch völlig klar und biologisch sauber.
Trinken wir unser Abwasser nach der Reinigung wieder?
Nachdem das Wasser alle Stufen durchlaufen hat, wird es aus der Reinigungsanlage in ein natürliches Gewässer eingeleitet, den sogenannten Vorfluter. Das kann ein Bach, ein Fluss oder ein See sein. An dieser Stelle klärt sich die Frage: Trinken wir unser Abwasser? Nein, es gibt keine direkte Rohrleitung, die das gereinigte Wasser aus der Kläranlage wieder in das städtische Trinkwassernetz einspeist. Das Wasser aus der Anlage vermischt sich im Fluss mit dem natürlichen Flusswasser.

Allerdings ist Wasser auf der Erde Teil eines ewigen Kreislaufs. Das Flusswasser verdunstet, bildet Wolken und fällt irgendwann als Regen wieder auf die Erde. Ein anderer Teil versickert im Boden und wird über Jahre hinweg durch verschiedene Erdschichten gereinigt, wodurch es zu Grundwasser wird. Die Wasserwerke, die für unser Trinkwasser zuständig sind, gewinnen das Rohwasser fast ausschließlich aus tiefen Grundwasserbrunnen, Quellen oder über die Filtration an den Flussufern. Bevor dieses Wasser aus Ihrem Wasserhahn fließt, bereiten die Wasserwerke es nochmals intensiv auf und prüfen es streng nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Man trinkt also niemals direkt gereinigtes Abwasser, wohl aber Wasser, das vor langer Zeit einmal Teil des globalen Wasserkreislaufs war und von der Natur vollständig regeneriert wurde.
Funktionierende Haustechnik als Basis für saubere Kreisläufe
Damit der gesamte Wasserkreislauf reibungslos funktioniert und die Klärwerke ihre Arbeit verrichten können, muss die Infrastruktur bereits bei Ihnen zu Hause fehlerfrei sein. Ablagerungen, Verstopfungen oder Schäden an den privaten Abwasserrohren führen schnell dazu, dass Schmutzwasser nicht richtig abfließt oder im schlimmsten Fall ungefiltert im Erdreich versickert. Eine regelmäßige Überprüfung und Reinigung der eigenen Leitungen schützt nicht nur das Gebäude vor Schäden, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.
Das Team von Felix die Rohrreinigung steht Ihnen als kompetenter Partner für alle Fragen rund um Ihre Abwassersysteme zur Verfügung. Wir sorgen mit moderner Technik dafür, dass Ihre Rohre frei von Blockaden bleiben und das Abwasser sicher den Weg in die Kanalisation findet. Ob akute Verstopfung, geplante Kanalreinigung oder die Überprüfung von Grundleitungen mittels Kanalkamera: Unsere Fachkräfte führen alle Arbeiten zuverlässig und verständlich aus.
Sollten Sie Probleme mit Ihren Abflüssen bemerken oder eine Beratung zur Wartung Ihrer Leitungen benötigen, können Sie uns anrufen oder eine Nachricht über unsere Website senden. Kontaktieren Sie uns gerne!
